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Sustainability Skills für alle: Wieso wir Nachhaltigkeit lernen müssen

Von Christopher Jahns| 25. November 2021

Alle reden darüber, doch kaum einer weiß so richtig, was gemeint ist: Nachhaltigkeit. Oft wird sie mit „Umweltfreundlichkeit“ gleichgesetzt, doch das greift viel zu kurz. Und genau deshalb brauchen wir mehr Bildungsangebote in der deutschen Wirtschaft dazu, was sich hinter nachhaltigem Handeln wirklich verbirgt – nämlich nicht: Recycling, Plastik vermeiden und Strom sparen. Lasst uns endlich für mehr Klarheit sorgen!

Pünktlich zum Jahresende steht er auf der Agenda vieler Unternehmen: der Nachhaltigkeitsbericht. Das ist längst kein Akt der Barmherzigkeit. Eine Pflicht diesen vorzulegen, gibt es etwa für Unternehmen, die im Schnitt eines Geschäftsjahres mehr als 500 Mitarbeiter haben, deren Umsatzerlöse sich auf mehr als 40 Millionen Euro belaufen oder deren Bilanzsumme bei mehr als 20 Millionen Euro liegt. Dass Firmen dieser Größenordnung Rechenschaft zum Thema ablegen müssen, ist gut und wichtig. Nachhaltigkeit ist ein riesiges Thema und geht uns alle etwas an – schließlich betrifft es nicht weniger als eine lebenswerte Zukunft.

Nachhaltigkeit ist viel mehr als Klima- und Umweltschutz

Doch anders als oft im öffentlichen Diskurs dargestellt, umfasst Nachhaltigkeit oder Sustainability noch viel mehr Themenfelder als klimafreundliches Verhalten. Am besten nachzulesen ist das bei den Vereinten Nationen, die ganze 17 Ziele zur nachhaltigen Entwicklung der Weltgemeinschaft bis 2030 festgehalten haben. Diese Zielerklärung soll als Blaupause für eine bessere und nachhaltigere Zukunft für alle dienen. Sie befasst sich mit den globalen Herausforderungen unserer Zeit, darunter Armut, Ungleichheit, Klimakrise, Umweltzerstörung, Frieden und Gerechtigkeit. Sie hier alle aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen. Wichtig ist jedoch, dass nachhaltiges Verhalten eben auch Aspekte wie Geschlechtergerechtigkeit oder den Zugang zu qualitativ-hochwertiger Bildung für alle einschließt. Hätten Sie das gewusst?

Nachhaltigkeit hat Priorität für Entscheider:innen

Wie wichtig eine nachhaltige Entwicklung aus wirtschaftlicher Sicht ist, zeigt eine einfache Kosten-Nutzen-Rechnung: Wer mit Ressourcen effektiver umgeht, kann bei geringeren Kosten mehr erreichen. Eine Studie der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) zeigte zudem schon vor einigen Jahren, dass nachhaltig agierende Unternehmen der Konsum- und Handelsbranche ihre EBIT (kurz für: earnings before interest and taxes)-Marge steigern: Im Durchschnitt ist sie sechs Prozentpunkte höher als bei weniger nachhaltigen Wettbewerber:innen. Solche Erkenntnisse sorgen dafür, dass endlich auch Entscheider:innen dem Thema die nötige Beachtung schenken. In einer Accenture Studie[1] gaben 73 Prozent der befragten Führungskräfte an, dass die „Entwicklung zu einem wirklich nachhaltigen und verantwortungsvollen Unternehmen“ bei ihnen in den nächsten drei Jahren oberste Priorität habe. Halleluja!

Ein paar Expert:innen sind nicht genug!

Durch die oben angesprochenen Berichte, wirtschaftliche Vorteile und den gesellschaftlichen Druck sind Unternehmen bereits gezwungen, Expert:innen rund um das Thema Sustainability zu beschäftigen. Und diese CSR-Profis machen mit Sicherheit einen guten und wichtigen Job. Doch wie sollen ein paar Köpfe richten, was eigentlich von allen täglich gelebt werden müsste? Wenn wir echten Wandel erwirken und als Gesellschaft weiter kommen wollen, müssen wir jede:n einzelnen befähigen. Denn solange wir keine Ahnung haben, wie wir unser Verhalten im Alltag verändern müssen, kommen wir nicht weiter. Wir brauchen also Bildungsangebote zu Sustainability für alle!

Jetzt das Recht auf Sustainability Skills verankern!

Wie soll das funktionieren? Nun, zuallererst sollten wir Engagement für und Bildung rund um Sustainability in möglichst jeder Unternehmensstrategie fest verankern. Der nachhaltige Wandel wird schon jetzt in den sogenannten „Environment Social Governance“ (ESG)-Strategies festgelegt. Hier sind auch diese beiden Aspekte aus meiner Sicht ein absolutes Muss. So können Unternehmen regeln, dass neben CSR-Fachleuten und denjenigen, die fleißig Nachhaltigkeitsberichte schreiben, eben jede:r Angestellte das nötige Fachwissen und praktisches Know-how rund um Sustainability erhält. Sie fragen sich, ob das wirklich nötig ist? Ja! Aus meiner Sicht müssen wir das Thema ganz genauso wie die Digitalisierung behandeln: Auch hier gilt es alle mitzunehmen, damit echter Wandel stattfinden kann. Und auch hier müssen wir alle noch dazulernen.

Heute die Weichen für eine nachhaltige Zukunft stellen

Ich bin mir bewusst, dass nicht jede:r sofort überzeugt sein wird, diese Reise anzutreten. Noch ein Thema, um das wir uns kümmern sollen? Puh. Doch diejenigen, die verstanden haben, dass wir alle nachhaltiger agieren müssen, sollten das Momentum nutzen. Wenn wir jetzt loslegen, können wir richtig was bewegen. Das geht wie immer nicht von heute auf morgen. Doch vielleicht können schon in ein paar Jahren gut ein Drittel der DAX-Unternehmen und die Hälfte der Mittelständler sagen: Wir haben es gepackt und unsere Mitarbeitenden fit für Sustainability gemacht. Ich würde es mir jedenfalls sehnlichst wünschen.

Genau deshalb haben wir uns das Thema Sustainability auch bei XU zur Brust genommen. Und so viel kann ich schon verraten: Wer bei der Planung und Umsetzung Hilfe benötigt, wird diese bekommen. Watch this space.

 

[1] Accenture Survey mit 4,051 C-Level-Führungskräften in 13 Märkten im Oktober 2020