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Unis in der Digitalkrise: Neue Ideen für die Lehre

Von Christopher Jahns| 23. November 2020

Nicht erst die COVID-Krise zeigt: Unsere Hochschulen sind alles andere als zukunftssicher aufgestellt

Blogbeitrag von Christopher Jahns über die Digitalisierung der Hochschulen XU Exponential University

Es ist schon lange Realität, wurde jedoch mit der Corona-Pandemie schlagartig deutlich: Das gesamte Hochschulsystem in Deutschland steckt in einer tiefen Digitalisierungskrise. Natürlich ist in der Forschung vieles wie bisher auch von Präsenz und gemeinsamer Arbeit abhängig. Und natürlich verfolgt Universität im Idealfall auch soziale Ziele: junge Menschen treffen sich, bereiten sich gemeinsam auf ihre berufliche Laufbahn vor. Freundschaften und Netzwerke entstehen. Dazu dienen neben Seminaren auch Partys und (lebens)philosophische Diskussionen. Aber insbesondere die Lehre mit ihren wesentlichen Funktionen braucht dringend einen Paradigmenwechsel.

Die deutschen Hochschulen in der Digitalisierungskrise. Höchste Zeit für den digitalen Umstieg!

Nicht zuletzt, weil einige Bestandteile des Studentenlebens in Zeiten des digitalen Umbruchs längst anachronistisch wirken. Es ist doch beispielsweise erschreckend, dass ich mich vor Corona tagtäglich mit Tausend anderen in einen Hörsaal zwängen musste, um ohne große Interaktion einfach nur anwesend zu sein, damit der oder die Lehrende eine Vorlesung abspult. Mal ehrlich: Das kann ich mir auch als Video anschauen ­– wann immer es mir zeitlich passt.

Es stellt sich somit die Frage: Welche anderen, längst fälligen Veränderungen in der Lehre stehen an? Natürlich sollen Kleingruppen, etwa für Projekte oder Übungen, weiter bestehen, sie sollen auch in Zukunft höchst interaktiv miteinander arbeiten – analog ebenso wie digital. Es gibt jedoch, über starre Vorlesungen hinaus, eine ganze Reihe von Prozessen im Unialltag, für die bereits gute innovative Ansätze und Tools existieren, die Veränderungen einleiten.

Bewerbung und Zulassung

Inzwischen sind Online-Plattformen im Einsatz, die den gesamten Bewerbungs- und Zulassungsprozess auf Grundlage von KI ablaufen lassen. Anbieter wie AdmitHub verändern damit eine wichtige Kernfunktion der Hochschulen maßgeblich: die Auswahl der geeigneten Studierenden. Das gilt sicherlich weniger für öffentliche Universitäten mit dem in Deutschland vorgeschriebenen „Zuteilungsprozess“, sondern eher für die teils aufwendigen Admissions-Prozesse privater Hochschulen. Ob Einreichungen, Tests, Interviews – die KI-Plattform kümmert sich um alles.

Bachelor-Programme

Class for Zoom ist nur ein Beispiel aus einer ganzen Reihe von Anbietern, die neben der klassischen Video-Konferenz eine Vielzahl von Funktionen bereithalten. Diese Tools machen „Remote learning“ schon heute praktischer und besser zugänglich. Total genial ist, dass sich unter anderem Videopräsentationen viel dynamischer und interaktiver gestalten lassen – alles eingebettet in eine sehr echte, sehr kollaborative Lernraum-Atmosphäre.

Prüfungen

Vor allem das Thema „Schummeln“ hat bei digitalem Examen bislang Kopfzerbrechen bereitet. Doch auch hier warten erste Plattformen wie Proctorio mit Lösungen auf. Der Trick: Biometrische Daten helfen dabei, Tricksereien bei Online-Examen zu eliminieren. Beispielsweise werden bei Prüflingen die Pupillenbewegungen kontrolliert. Trotz bestehender Bedenken in puncto Datensicherheit erfreuen sich die Anbieter bei Lehreinrichtungen bereits großer Beliebtheit.

Schwerpunkte Tech & Engineering

Die XU Exponential University ist in Deutschland bereits Schrittmacher für die Lehre in den Zukunftsbranchen Tech und Engineering und treibt die digitale Revolution mit voran. Zu dem Angebot gehören höchst interaktive Coding-Camps. Wir erleben es immer wieder, dass die heute 15- bis 25-Jährigen sich in digital verfügbaren Coding Camps das Coden schnell und effizient selbst beibringen. Diese Veranstaltungen sind komplett automatisiert und bieten Teilnehmenden die Möglichkeit, die nötigen Schritte innerhalb weniger Monate autodidaktisch zu erlernen. Bei Fragen und Unklarheiten ist schnelle Hilfe aus der Community jederzeit via Chat verfügbar. Viele Studenten können schon coden, wenn sie sich bei an der XU bewerben, die anderen holen eben rasant auf. Ein anderer erfolgreicher internationaler Anbieter: die Codecademy.

Auf dem (Online-)Campus

Inzwischen gibt es eine ganze Reihe von Plattformen und virtuelle Events, die Studierenden neue Formen der Vernetzung erlauben. Erst kürzlich tat sich sogar Facebook mit dem Launch seines gleichnamigen „Campus“-Angebots für Studierende hervor. Dazu kommen Tools wie Studapart, die zum Beispiel bei der (digitalen) Suche von Unterkünften, etwa in Boarding Houses, helfen. Als Event Social Network mit bereits 50 Colleges auf seiner Plattform positioniert sich IRL. Durch die räumliche Isolation von jungen Leuten nehmen allerdings auch mentale Probleme unter den Studierenden zu. Entsprechende teletherapeutische Services bietet unter anderen Uwill an.

Sprachstudium & internationale Programme

Niemand muss heute noch zur Uni gehen, um Sprachen zu lernen. Längst ist über die Grenzen des Campus hinaus ein großer, weltweiter Markt mit Top-Online-Anbietern wie Babbel entstanden. Umfangreiche Beratungen zum Auslandssemester gehören in den Hochschulen ebenfalls der Vergangenheit an. Beispielhaft steht hier die Plattform AMOpportunities, die international Studierende der Medizin mit Praktika ebenso wie mit sonstigen nützlichen Services, etwa zu Visum oder Wohnungssuche, versorgt.

Networking & Arbeitsvermittlung

Längst gibt es eine Vielzahl von Anbietern, die Studierende mit Alumni oder potenziellen Arbeitgebern verlinken. Statt wie früher seinen Lebenslauf in den Briefkasten zu schmeißen oder mühsam mit dem Career Service der Uni nach einem Job zu fahnden, werden jetzt Plattformen genutzt. Congregate etwa wurde von ehemaligen Harvard-Absolvent*innen gegründet. Natürlich stehen auch zahlreiche Recruiting-Tools zur Verfügung, beispielsweise Handshake.

Fort- und Weiterbildung

Viele Unternehmen engagieren sich erfolgreich in der Fort- und Weiterbildung, nicht zuletzt zählt zu ihnen auch der XU Online Campus. Hier sind über 70 zertifizierte Online-Kurse im Angebot. Sie sind ein guter Querschnitt aktueller Entwicklungen und gut aufbereitet; jedes Thema kann selbständig erlernt werden, auch mit remote zugeschalteten Trainer*innen und Expert*innen; ich muss also nicht tagelang alleine vor dem Video sitzen.

Bibliotheken

Der Begriff Bibliothek mag in manchen Ohren bereits etwas veraltet anmuten. Gemeint ist damit heutzutage eher ein ruhiger Platz zum Lernen, außerhalb der eigenen, mitunter engen vier Wände. Für die Recherche werden analoge Bibliotheken immer weniger nachgefragt. Dafür verschaffen immer mehr katalogisierte und aufbereitete Online-Bibliotheken wie Bibliu Zugriff auf Kursmaterialien, E-Books oder Forschungsunterlagen.

Einen guten Überblick über aktuelle Veränderungen bietet ein umfassender Artikel auf der Plattform CBinsights, beschrieben am Beispiel der Disruption der Traditionsuniversität in Harvard. Teile des dort erwähnten Serviceangebots finden sich auch hier.

Wenn wir alle gemeinsam an einem Strang ziehen, alle das gemeinsame Ziel im Blick haben, unser Hochschulwesen zukunftssicher aufzustellen, werden wir das schaffen.

Herzlichst Christopher Jahns